Ein „Betriebsausflug“ der etwas anderen Art: Der Heimatverein lud zum virtuellen Rundgang durch das Immenstaad der 50er Jahre ein.
Bis auf den letzten Platz gefüllt war der Bürgersaal am vergangenen Mittwoch, 22. April, denn der Heimatverein hatte wieder zu einem unterhaltsamen und zugleich informativen Bildervortrag eingeladen. Nach der Begrüßung der Gäste, darunter auch viele Vereinsmitglieder und langjährige „Stammgäste“ der beliebten Bildervorträge durch Vorstand Thomas Schmidt, übernahm der erfahrene „Reiseleiter“ Peter Daniel die Führung durch das Immenstaad der 1950er Jahre.

Der „Betriebsausflug“, so lautete der Titel des Bildervortrags, basierte auf der Festschrift zum 150-jährigen Jubiläum des Musikverein Immenstaad, das im Jahr 1951 gefeiert wurde. In einem kurzweiligen Streifzug führte die Route durch Immenstaad von Ost nach West, durch ein Dorf, das damals noch stark von Landwirtschaft und Handwerk geprägt war. Über 53 Betriebe sowie mehr als 100 landwirtschaftliche Anwesen zeugen von einem einstigen Selbstversorgerdorf mit knapp 1.700 Einwohnern, in dem es im Grunde alles gab, was man zum Leben brauchte: Handwerksbetriebe, Friseur, Tankstelle, Autowerkstatt, Schreinereien, Metzgereien, Gastwirtschaften, Getränkemarkt und natürlich auch einen Dorfladen, in dem es nicht nur Lebensmittel, sondern auch viele andere Alltagsgegenstände zu kaufen gab.
Die Vielfalt der Betriebe wurde anhand der Anzeigen in der Festschrift deutlich. Genaue Anschriften waren meist gar nicht angegeben. Man kannte sich eben im Dorf und die Telefonnummern waren damals noch zweistellig. Von A, wie Aral-Tankstelle, bis Z, wie Ziegelei Heger, die Gäste waren von der Bandbreite der örtlichen Betriebe beeindruckt und auch viele persönliche Erinnerungen wurden durch die Bilder von damals wieder geweckt. Peter Daniel hatte – auch dank der Unterstützung von Angehörigen und gut vernetzten Einheimischen – unzählige Bilder und Informationen rund um die Betriebe zusammengestellt.
Historische Aufnahmen zeigten unter anderem das Omnibusunternehmen Zinsmaier, die Holzhandlung Kopp, die Schreinerei Veeser, das Kieswerk Meichle & Mohr, die Metzgerei Hage, den Gasthof „Zum Hirschen“ sowie die Gardinenfabrik Werner, die damals der zweitgrößte Arbeitgeber von Immenstaad war. Besonders auffällig, der Kachelofen im Gasthof Schiff war immer wieder auf verschiedenen Aufnahmen zu erkennen, war damals doch der dortige „Handwerker-Stammtisch“ der Treffpunkt schlechthin.
Mit viel Humor und einem Augenzwinkern präsentierte Peter Daniel nicht nur Fakten, sondern auch besondere Details. So galt damals schon ein Tempolimit von 30km/h auf der B31, die früher noch durch das Dorf verlief, und die Rückepferde wurden nicht nur in der Forstwirtschaft, sondern auch bei Beerdigungen eingesetzt. Viele Besucher fühlten sich durch bekannte Namen von Betrieben wie „Held & Menke“, „Zinsmaier“ oder „Raschke“ in vergangene Zeiten zurückversetzt.
Zum Abschluss ging es zum Schloss Kirchberg, und beim Anblick der damaligen Terrasse mit dem wunderschönen Blick über den Bodensee ging ein hörbares Raunen durch den Saal. Sicher erinnerten sich viele der Gäste an die Zeit, als man sich dort abends noch auf ein Glas Wein mit Freunden treffen konnte.
Der Dank von Vorstand Thomas Schmidt galt zum Abschluss natürlich dem Reiseleiter Peter Daniel, aber auch Reinhard König, den „Seehof-Töchtern“ sowie den weiteren Mitstreitern, die bei der Recherche und Bildersuche zum Vortrag tatkräftig unterstützt haben. Für die Gäste des Heimatvereins, der in diesem Jahr sein 50jähriges Bestehen feiert, war es eine rundum gelungene Veranstaltung, eine Mischung aus Information, Unterhaltung und lebendiger Erinnerungskultur – ein „Betriebsausflug der besonderen Art“, der noch lange nachwirken dürfte.
Abschließend gilt der Dank des Heimatvereins den treuen Gästen für ihr Kommen und natürlich auch für die großzügigen Spenden zugunsten unseres Kulturhäusles. Ebenso bedankt sich der Heimatverein beim Hausmeister des Rathauses, Patrick Konwert, für die Unterstützung vor, während und nach der Veranstaltung sowie bei der Touristinfo für die Veröffentlichung und Bewerbung.




